Amnesty International Gruppe Schwelm (1524)

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Gemeinsam für ein Ziel

Menschenrechte und Literatur - zwei Begriffe, die sich einander bedingen, dachte sich die Literaturgruppe "TAG-Bochum" und stellte deshalb Texte zum Thema "Menschenrechte" zusammen.

Eine kleine Auswahl dieser Texte macht die Gruppe von jungen Literaturschaffenden jetzt öffentlich. Mit Texten, die anprangern, anklagen oder aber auch nur einfach Situationen beschreiben - Situationen, die damit zum Inhalt der Kritik werden - setzt TAG hiermit in Überzeugung von der universellen Gültigkeit der Menschenrechte ein deutliches Zeichen und begrüßt das weltweite soziale Engagement von amnesty international.

Eva Blume: Schuldfrage

Prolog In einem Steinkerker gefangen. An einer Stelle sind ein paar Steine herausgebrochen: Das Lichtloch ist durch Gitterstäbe verschlossen. Die Unschuld überdenken Sehnsuchtsblick durch Schlitze: Ich versuche die Sonne mit den Augen festzuhalten. Die Ankläger haben mich der Freiheit beraubt; ihr Verdacht rechtfertige ihr Handeln – sie haben sich verdacht. Die Wahrheit ausgespien. Unschuldig schuldig gesprochen mit der Behauptung, ich könne mich nicht erinnern. Eine einfache Erklärung löst Rätsel für die Ankläger; vor meinen Augen bauen sich neue auf. Fast zu lange nach der Freiheit gesucht. Jahre vergingen, bis sie meine Unschuld überdachten. Ich hatte schon nicht mehr an sie geglaubt – und angefangen zu denken, dass die Ankläger Recht sprachen. Eines Tages betraten sie meinen Kerker, flüsterten Unschuld in die Luft und entließen mich ohne weitere Worte.

Epilog Die Freiheit ist mir verkannt; ich soll sie aufs Neue erfahren. Wie lerne ich die Erlösung von den Rätseln kennen?

überarbeitet am 13. und 18.08.2004 15.06.1999 (entstanden am 03.02. und 03.03.1999) Copyright by: Eva Annabelle Blume

Anna Brinkel: Waldeindrücke

Soldaten fallen wie Laub blutrotund schwerwiegend lassen nichts als das Gerippe des Stammbaums zurück

Anna Emde: Reliquien

Artikel 1 Resolution 217 III Artikel 2 EMRK Artikel 5 GG Artikel 9 Banjul Charter Artikel 10 Resolution 217 III Artikel 13 GG Artikel 17 Banjul Charter ICCPR ICESC AMRK ArCMR

Worauf sind wir stolz?

Malte Reimold: Der Verrat

Ich will deinen Namen vergessen. Ich will ihn nicht gekannt haben. Die Nummer, die dich aufschrecken läßt, wenn sie gerufen wird, sie ist ausreichend, um dich zu beschreiben. Sie macht dich zu einer der Nummern, zu einem von denen; und dein Blick macht dich zu einem von denen, denn er, der nur Angst und Schmerz darstellt, beraubt dich des Menschlichen in dir. Schwer war es, als noch Stolz und Wut in ihm lagen, als Erkennen und selbst Verzweiflung ihn füllten, aber all das wurde zerstört. Die Angst und der Schmerz, was ich in euren Augen lese, teilen euch eure Rolle zu und sie teilen uns unsere Rolle zu. Ihr und wir, nicht ich und du, das ist der Unterschied, der es leicht macht. Deine Augen verlangen nicht nach dem Du, denn du weißt, daß es mich verletzen würde, und du weißt, daß ich dich verletzen würde - vielleicht töten. Aber es wäre Zorn, der mich leiten würde, nicht die durchdachte Mechanik, die die Verhältnisse zwischen uns bestimmt, die Ordnung, nach der wir agieren und reagieren. Ich kenne deinen Namen, dein Gesicht, deine Stimme, sie sind mir ins Gedächtnis gebrannt, so fremd mir mein eigener Name scheint. Jede Erinnerung ist trübe und grau geworden, sie nützt nicht mehr zur Flucht. Angst und Schmerz haben sie trüb werden lassen - und Hass.

Ihr macht uns zu Vieh und werdet dadurch selbst zu Vieh.

Ihr geht in jene Welt, an die ich mich kaum erinnere, nach der ich mich so sehr sehne. Doch in ihr seid auch ihr nur Untote, eure Rückkehr ist nur eingebildet, ihr merkt es kaum. Für uns alle gibt es keinen Weg zurück in jene Welt, die verraten wurde. Aber:

Ihr seid die Verräter, und wir sind die, die verraten wurden, das ist der Unterschied.