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"Bilder aus der Todeszelle"

Eine ganz besondere Ausstellung in Schwelm

Anlässlich unseres 30-jährigen Bestehens luden wir in Kooperation mit dem Verein "Justice for Innocent Gerechtigkeit für Unschuldige e.V." im Jahre 2006 zur Ausstellung "Bilder aus der Todeszelle". Die Bilder der vier Todesstrafenkandidaten Tony Medina, Tony Ford, Dominique Green (alle Texas) und Frederick Paine (Nevada) stießen in Schwelm auf große Resonanz.

Bild von Tony Ford (Todestrakt Texas)

Tony Medina, Tony Ford, Dominique Green (alle Texas), Fredrick Paine (Nevada) und Joseph Barrett (Kalifornien) sind nur fünf Todestraktinsassen von zehntausenden weltweit.

Ihre Bilder stehen stellvertretend für das Leid und Unrecht in der Todeszelle und bilden doch einen breiten Eindruck von dem Leid und den Hoffnungen im Todestrakt.

Ihre Malereien und Zeichnungen packen den Betrachter. Auf zutiefst berührende Weise geben die Künstler einen Einblick in ihre Gefühle und Sehnsüchte in einer kaum vorstellbaren Lebenssituation zwischen Todesangst und Hoffnung. Die Bilder sind geprägt von dieser Hoffnung auf Freilassung und dem Bangen um das Leben. Dominique Green wurde bereits am 26. Oktober 2004 vom Staat Texas hingerichtet. Tony Ford hatte bereits zwei Hinrichtungstermine, die jedoch aufgrund starker Zweifel an seiner Schuld aufgeschoben worden sind. Ähnlich ergeht es den anderen beiden Todeskandidaten.

Erinnert werden sollte mit dieser einzigartigen Ausstellung jedoch auch daran, dass weltweit tausende Todestraktinsassen noch nicht einmal die Möglichkeit zum Malen und Zeichnen haben. In überfüllten Todeszellen bekommen viele von ihnen kein Tageslicht. Ihnen wird keine oder nur kaum medizinische Hilfe geboten. Andere werden in Einzelhaft gehalten und teilen sich ihre geringen Mahlzeiten mit Ratten und Kakerlaken um nur einige Eindrücke aus dem Todestrakt aufzuzählen. Einige von ihnen durchleben trotz ihrer Unschuld an den ihnen zur Last gelegten Taten dieses Leid. Der Maltätigkeit oder anderer Hobbys nachzugehen, ist nur in Ausnahmefällen und nur in einzelnen Staaten möglich. So wurde Tony Medina beispielsweise zwischenzeitlich untersagt, weiter zu malen. Er bekam allein wegen der Erstellung eines Bildes, in der er die Todesstrafe deutlich anprangerte, eine Verwarnung und Einzelhaft in Level 2 des Todestrakts als Sanktion verordnet. Dort bekam er nur noch einmal am Tag eine Mahlzeit verabreicht und durfte weder Briefe schreiben noch empfangen oder etwas lesen.

Neben Informationen über ihre Künstler und den Haftbedingungen waren bei der Ausstellung jedoch auch vielerlei weitere Fakten zur weltweiten Situation der Todesstrafe zu erfahren.

Rede zur Ausstellungseröffnung "Bilder aus der Todeszelle"

Sehr geehrte Frau Sartor, sehr geehrter Herr Feldmann, liebe Besucherinnen und Besucher,

ich begrüße Sie ganz herzlich an diesem späten Nachmittag zur Eröffnung der Ausstellung „Bilder aus der Todeszelle" in der Stadtsparkasse Schwelm und heiße Sie ganz herzlich im Namen von amnesty international Schwelm willkommen.

Seit nunmehr 30 Jahren widmet sich amnesty international Schwelm der Menschenrechtssituation in aller Welt, betreut Opfer von Menschenrechtsverletzungen und klärt vor Ort über die Menschenrechte auf.

Dabei widmet sich die Gruppe seit einigen Jahren verstärkt dem Thema „Todesstrafe" und expliziert stets deutlich die Abschaffung dieser grausamen und menschenrechtsfeindlichen Bestrafungsform. Erst vor einigen Monaten initiierte die (wie Sie auch an dieser Ausstellung hier sehen), kleine aber sehr muntere Schwelmer Menschenrechtsgruppe zu diesem Thema eigens eine eigene Vorlesungsreihe an der Bergischen Universität Wuppertal.

Freilich ein besonderes Novum war jedoch im vergangenen Jahr die Einladung des ehemaligen Todesstrafenkandidaten Juan Roberto Melendez. Melendez, der über 17 Jahre unschuldig im US-Todestrakt gesessen hatte, erzählte bei seinem damals ersten Deutschlandbesuch im Wuppertaler Begegnungszentrum von seinem unfassbaren Lebensweg - ein unglaublich ergreifender und persönlicher Besuch.

Letztlich über ihn (Melendez) ist auch diese Veranstaltung hier heute in der Stadtsparkasse Schwelm erst möglich geworden. Übrigens: erneut ein Novum. Erstmalig in der hiesigen Region werden Bilder von Todestraktinsassen öffentlich ausgestellt - wahrlich alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Melendez ist Ehrenmitglied des Vereins Justice for the Innocent Gerechtigkeit für Unschuldige e.V. Der Osnabrücker Verein sucht auf sehr beeindruckende Weise den Kontakt zu Todestraktinsassen und verschafft ihnen durch die Ausstellung ihrer Kunst die Möglichkeit, in den Dialog mit der Außenwelt zu treten. Durch die tolle Kooperation zwischen amnesty international Schwelm und diesem Osnabrücker Verein wurde der Wunsch, in Schwelm Bilder aus der Todeszelle zeigen zu können, nun Realität. Für das Engagement für die Todestraktinsassen und für die tolle Zusammenarbeit bei dieser Ausstellung möchte ich deshalb an dieser Stelle Diana Srowig und ihrem Verein Justice for the Innocent Gerechtigkeit für Unschuldige e.V. im Namen von amnesty international meinen ganz besonderen Dank ausdrücken.

Liebe Gäste! Anders als der freigelassene Juan Roberto Melendez können die Künstler, deren Bilder und Werke heute hier in der Stadtsparkasse Schwelm im Mittelpunkt stehen, selbstredend aus bekannten Gründen leider nicht kommen. Einer von Ihnen, Dominique Green, wurde im Oktober 2004 vom Bundesstaat Texas bereits hingerichtet. Die anderen, Tony Ford, Tony Medina, Frederick Paine und Joseph Barrett, warten in ihren Todeszellen in Texas, Nevada und Kalifornien bereits zum Teil bis zu zwölf Jahre auf ihre Freilassung. Tony Ford hatte beispielsweise bereits zwei Hinrichtungstermine, die jedoch aufgrund starker Zweifel an seiner Schuld aufgeschoben worden sind. Ähnlich ergeht es den anderen Todesstrafenkandidaten.

Erinnert sei an dieser Stelle jedoch auch daran, dass diese Todestraktinsassen nur fünf von zehntausenden weltweit sind. Auch deshalb haben wir Informationsschautafeln, darunter auch eine ganz aktuelle und druckfrische Weltkarte zur derzeitigen Todesstrafensituation hier im vorderen Teil der Ausstellung für Sie zu Informationszwecken zur Verfügung gestellt. Wie Sie sicherlich den Nachrichten entnommen haben, wurde die Todesstrafe auf den Philippinen erst soeben abgeschafft. Die Arbeit von amnesty und all der anderen Organisationen trägt nach und nach Früchte. Wir hoffen, dass ähnliches auch bald von den verbleibenden 72 Staaten zu berichten sein wird - viel Arbeit steht uns noch bevor.

Ich denke, die Kombination von Informationen und Kunst stellt eine sich ergänzende Ausstellungsform dar, um Ihnen einen Einblick in die weltweite Situation der Todesstrafe bieten zu können - ein Einblick, der sich gerne in einem persönlichen Gespräch anschließend auch noch näher vertiefen lässt. Sprechen Sie uns dazu einfach an!

Die Bilder der hier heute ausstellenden Todestraktinsassen stehen stellvertretend für das weltweite Leid und Unrecht in der Todeszelle und bilden einen breiten Eindruck von dem, was Todestraktinsassen täglich in der Haft erdulden müssen.

So soll die Ausstellung gleichermaßen aber auch keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass weltweit die meisten Todestraktinsassen noch nicht einmal die Möglichkeit zum Malen und Zeichnen haben. In überfüllten Todeszellen bekommen viele von ihnen kein Tageslicht. Ihnen wird keine oder nur kaum medizinische Hilfe geboten. Andere werden in Einzelhaft gehalten und teilen sich ihre geringen Mahlzeiten mit Ratten und Kakerlaken um nur einige Eindrücke aus dem Todestrakt aufzuzählen. Nähere Einzelheiten erspare ich Ihnen hier.

Einige von ihnen durchleben trotz ihrer Unschuld an den ihnen zur Last gelegten Taten dieses Leid. Der Maltätigkeit oder anderer Hobbys nachzugehen, ist nur in Ausnahmefällen und nur in einzelnen Staaten möglich. So wurde Tony Medina (einer der Künstler) beispielsweise zwischenzeitlich untersagt, weiter zu malen. Er bekam allein wegen der Erstellung eines Bildes, in der er die Todesstrafe deutlich anprangerte, eine Verwarnung und Einzelhaft in Level 2 des Todestrakts als Sanktion verordnet. Dort bekam er nur noch einmal am Tag eine Mahlzeit verabreicht und durfte weder Briefe schreiben noch empfangen oder etwas lesen.

Die Kunstwerke, die Sie hier sehen, stellen eine Auswahl von insgesamt 50 Bildern dar. Sie bestechen durch ihre unverkennbar persönliche Suggestions- und Aussagekraft - durch ihr deutliches Plädoyer und ihren unverkennbaren Appell zur Abschaffung der Todesstrafe.

Auf zutiefst berührende Weise geben die Künstler einen Einblick in ihre Gefühle und Sehnsüchte in einer kaum vorstellbaren Lebenssituation zwischen Todesangst und Hoffnung. Die Bilder sind geprägt von der Hoffnung auf Freilassung und dem Bangen um das Leben.

Sei es die figürlich abstrahierte und farbintensive Bildsprache, seien es die filigranen Zeichnungen oder aber die poetisch-melancholischen Landschaftsansichten, die Todestraktinsassen suchen den Dialog - den Dialog mit der Außenwelt, den Dialog mit Ihnen hier heute in der Stadtsparkasse Schwelm. Auch vor diesem Hintergrund möchte ich Sie, verehrte Gäste, ermuntern, sich auf die unverwechselbaren Bilder und auf diesen Dialog einzulassen. Hören Sie den Todestraktinsassen zu und bewundern Sie ihre Werke.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und bedanke mich nicht zuletzt ganz herzlich bei der Stadtsparkasse Schwelm, die uns diesen ausgezeichneten Ausstellungsort für die nächsten drei Wochen zur Verfügung stellt, und wünsche Ihnen erkenntnisreiche und informative Augenblicke bei der Ausstellung „Bilder aus der Todeszelle".

Herzlichen Dank.