Amnesty International Gruppe Schwelm (1524)

Impressum | Login

Gruppe Schwelm (1524)

StartseiteBednarzLasPolitkovskaja

Bednarz las Politkovskaja

2. Schwelmer Menschenrechtsforum erinnerte an die russische Menschenrechtlerin

Der Fernseh-Journalist und langjährige Russlandkorrespondent Klaus Bednarz las am 7. Oktober 2007 auf Einladung der Amnesty-Gruppe Schwelm/Wuppertal aus dem literarischen Nachlass der genau ein Jahr zuvor ermordeten russischen Journalistin und Schriftstellerin Anna Politkovskaja. Aus erster Hand berichtete Politkovskaja darüber, was in Russland lebensgefährlich ist: die Wahrheit.

Bednarz in Schwelm

Der bekannte WDR-Journalist las aus dem Werk "Tschetschenien - Die Wahrheit über den Krieg", las von Menschenrechtsverletzungen, wie sie auch heute noch auf der Tagesordnung in der oft vergessenen Kaukasus-Region stehen.

Schließlich stand er dem Schwelmer Publikum in einer Diskussion Rede und Antwort. Auf die Frage, weshalb in den westlichen Medien so wenig von der Lage in Tschetschenien zu hören ist, führte Bednarz erschreckende Beispiele der Unterdrückung und Drohung von kritischen Journalisten im heutigen Russland an. Auch unter einem neuen Präsidenten wird sich an der Skrupellosigkeit in Russland nichts ändern, prognostiziert Bednarz.

Bednarz: "Nur wenn Sie selbst Initiative ergreifen, kann sich an der Situation etwas ändern"

"Behalten Sie die Situation in Russland im Blick", rät Bednarz das aufmerksame Publikum. "Nur wenn Sie selbst Initiative ergreifen, etwa bei amnesty Schwelm, kann sich an der dortigen Situation etwas ändern", so Bednarz im ausverkauften Veranstaltungssaal des Ibach-Haus Schwelm.



Pressestimmen zum 2. Schwelmer Menschenrechtsforum:


Westfälische Rundschau vom 9.10.2007:

Was uns noch bleibt - laut zu schreien

Südkreis. (tk) An der fortdauernden Kriegssituation in Tschetschenien wird sich nach Einschätzung des Fernsehjournalisten Klaus Bednarz auch unter einem neuen russischen Präsidenten nichts ändern. "Von einem friedlichen Zustand sind wir noch weit entfernt", so der ehemalige Russlandkorrespondent am Sonntag auf der größten Gedenkveranstaltung zu Ehren von Anna Politkovskaja in Nordrhein Westfalen. Vor 200 Besuchern würdigte Bednarz im Schwelmer Ibach-Haus die "unbestreitbare und mutige" Journalistenkollegin, die auf den Tag genau vor einem Jahr in Moskau ermordet wurde (WR berichtete).

"Weiterhin herrscht Krieg in Tschetschenien", erinnert Bednarz. "Von 500 000 Tschetschenen sind die Hälfte heute ermordet, umgekommen oder geflüchtet", macht er das Ausmaß der "menschlichen Katastrophe" in der Kaukasus-Region deutlich.

Die Tragödie ist bis heute nicht zu Ende

In sechs Wochen sei das Tschetschenien-Problem gelöst, verkündete im Jahre 1996 der tschetschenische Oberbefehlshaber dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin. "Die Tragödie ist bis heute nicht zu Ende", so Bednarz. Weder unter Präsident Putin noch wird sie unter dem im kommenden Frühjahr gewählten Präsidenten "unter Putins Gnaden" beendet sein, macht Bednarz deutlich. "Wir erfahren nur immer weniger aus der Krisenregion."

Und so lauscht das Publikum ihm gebannt, als er von menschlichen Schicksalen liest, die die Chronistin Politkovskaja in ihrem literarischen Nachlass zu Wort kommen ließ. Schikanen vom Militär an der tschetschenischen Bevölkerung: Folter, Erpressungen und Korruption sind an der Tagesordnung. Generäle, die mit dem Leid der Bevölkerung Geld verdienen.

"So und nicht anders spielt es sich in Tschetschenien ab", bestätigt Bednarz das unermüdliche Engagement der Politkovskaja. Er selbst und seine Korrespondentenkollegen können ihre schockierenden Ausführungen nur bestätigen, so Bednarz. Heute bestehe seitens der russischen Regierung eine Nachrichtensperre, so dass der Krieg in der Weltöffentlichkeit oft in Vergessenheit gerate, schildert er seinem Schwelmer Publikum sehr eindrucksvoll am Beispiel der Drohung gegenüber einer Journalistin - das Leben ihres Kindes sei in Gefahr.

Doch Hoffnungslosigkeit sei der falsche Weg. Auch hier in Deutschland könne man an der Situation etwas ändern und er schildert die Flüchtlingspolitik der Bundesrepublik, welche auch in der Sendung "Monitor" (die Bednarz ehemals moderierte) häufiger thematisiert worden sei. Monitor habe bereits vor Jahren von der "Unmenschlichkeit der Abschiebepraxis" in Deutschland berichtet.

Der damalige Innenminister Otto Schily hätte auf diesen Bericht einen Abschiebestopp der nach Deutschland geflüchteten Tschetschenen angeordnet. Doch dieser werde längst wieder unterlaufen. Noch immer versuche Deutschland, Flüchtlinge in die Krisenregion zurückzuschicken, rügte Bednarz.

Doch nicht nur die deutsche Regierung kann etwas ändern. "Ein jeder kann etwas tun", so Bednarz: "Wo es Initiativen gibt, unterstützen Sie sie und stellen Sie Öffentlichkeit her." Denn: "Das ist das, was uns nur noch bleibt. Zu schreien. Laut zu schreien!", meinte Bednarz unter kräftigen Beifall in Schwelm.

Weitere Informationen: www.amnesty-schwelm.de.


Westfälische Rundschau vom 8.10.2007:

Klaus Bednarz las gestern Politkovskaja

Südkreis. Es war eine eindrucksvolle wie einfühlsame Erinnerung an eine engagierte und furchtlose Frau, die Klaus Bednarz gestern Abend im Schwelmer Ibach-Haus seiner Kollegin Anna Politkovskaja widmete. Vor dem 2. Schwelmer Menschenrechtsforum las der bekannte WDR-Journalist vor ausverkauftem Haus aus dem literarischen Nachlass der vor genau einem Jahr ermordeten Kritikerin des Tschetschenien-Krieges.

Politkovskaja hatte bis zu ihrer skrupellosen Ermordung für die Tageszeitung Nowaja Gaseta aus der Krisenregion am Kaukasus berichtet und bezahlte dafür mit ihrem Leben.

"Wir würdigen hiermit eine unbestreitbare und mutige Journalistin", so Bednarz sofort zu Beginn der Lesung und stieg ein, aus ihrem Buch "Tschetschenien - Die Wahrheit über den Krieg" zu lesen.

Er liest von menschlichen Schicksalen im Kaukasus, die keine Einzelschicksale sind, sondern ein Massenphänomen der Unterdrückung, skrupellosen Ermordung von Oppositionellen und von Not und Krieg. Auf eindrucksvolle Weise liest er "vom Leningrad unseres Jahrhunderts", wie Politkovskaja den Tschetschenienkrieg an einer Stelle bezeichnete. Nach knapp zweistündiger Lesezeit beantwortet er schließlich in einer knapp dreiviertelstündigen Diskussion mit dem Publikum auch deren Fragen.

"Politkovskaja war nicht politisch. Sie war eine Chronistin, die nur ihre Arbeit gemacht hat", erinnert Bednarz auf eine Frage zur Person von Politkovskaja und fügt an: "Ihre ehrliche Arbeit".

Auf die Frage, weshalb heute kaum in den Medien von der weiterhin andauernden Menschenrechtsverletzungen und dem Krieg im Kaukasus berichtet wird, sagt Bednarz: "Es liegt nicht an den Medien, sondern an dem Druck, der auf Journalisten in Russland ausgeübt wird. Kritische Journalisten werden verfolgt und ermordet." Einreisen von Journalisten sind nur unter ständiger Überwachung möglich. "Nur wenn sie Öffentlichkeit herstellen, wie es amnesty Schwelm hier tut", lobt er das Engagement der Schwelmer Menschenrechtschützer, könne sich etwas an der Situation ändern", so Bednarz vor einem kräftig applaudierenden Publikum.


Westfalenpost 5.10.2007:

Klaus Bednarz liest Anna Politkovskaja Zentrale Gedenkfeier in Schwelm erinnert an ermordete Journalistin

Schwelm. An diesem Sonntag jährt sich der Jahrestag der Ermordung von Anna Politkovskaja zum ersten Mal. Erstmalig kommt auch WDR-Journalist Klaus Bednarz nach Schwelm, um aus dem literarischen Nachlass der russischen Journalistin und Menschenrechtlerin zu lesen. Auf Einladung der Ortsgruppe Schwelm/Wuppertal von Amnesty International. "Es wird in Nordrhein-Westfalen die größte Veranstaltung zum Gedenken an Anna Politkovskaja sein", sagt Gruppensprecher Alexander Bojcevic ein wenig stolz. Neben weiteren bundesweiten Gedenken (Mahnwache vor der russischen Botschaft in Berlin, Lesung des ZDF-Russland-Korrespondenten Dirk Sager in Potsdam) thematisiert Bednarz in Schwelm den Tschetschenien-Krieg, Demokratie und Pressefreiheit in der ehemaligen Sowjetunion.

"Mit Klaus Bednarz haben wir nicht nur einen ausgezeichneten Kenner der Lage in Russland, sondern auch einen engagierten Journalisten für die Menschenrechte gefunden", so Bojcevic. "Auf diese Weise führen wir unsere Veranstaltungsreihe ´Schwelmer Menschenrechtsforum´ fort." Dieses wurde 2005 mit dem Wuppertal-Besuch des ehemaligen Todesstrafenkandidaten Juan Roberto Melendez (mehr als 17 Jahre unschuldig im Todestrakt) ins Leben gerufen.

Bednarz hat sich schon öfter für Amnesty International engagiert, so dass er schon im letzten Jahr der Idee zur Ehrung Politkovskajas zustimmte. Mit dem Gedenken an die außergewöhnliche Journalistin rückt auch die Menschenrechtssituation in Tschetschenien wieder in den Blickpunkt. Denn weiterhin, so beklagt Amnesty, werden in der Kaukasus-Region Menschen ermordet, gefoltert und Bevölkerungsgruppen unterdrückt.

Darüber hatte Anna Politkovskaja mehrfach berichtet. Nach einigen Attentatsversuchen wurde die regierungskritische Journalistin 2006 am Geburtstag des russischen Präsidenten Putin, am 7. Oktober, mit vier Schusswunden nach einem Einkauf vor ihrer Moskauer Wohnungstür aufgefunden. Ihr Mord rief weltweit große Empörung hervor. Westliche Politiker und Menschenrechtsgruppen forderten eine schnelle Aufklärung. Bis heute aber ist der Tod der damals 48-Jährigen, trotz einiger Festnahmen von Tatverdächtigten vor wenigen Wochen, nicht aufgeklärt.

Es gibt noch Karten (zwischen 7 und 9 Euro) für "Bednarz liest Politkovskaja" am Sonntag, 7. Oktober, 19 Uhr, im Ibach-Haus Schwelm, Wilhelmstraße 43. Informationen und Bestellung unter www. amnesty-schwelm.de bzw. info@amnesty-schwelm.de.

Von Steffen Gerber